Alternativen zur Alternative

Ich höre und lese öfter, dass die AfD hauptsächlich gewählt wird, um den etablierten Parteien Kontra zu geben.

Nun, ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit der Politik und den Politikern in Deutschland unzufrieden bin. Und ich bin durchaus auch der Ansicht, dass das Volk sich aktiver am politischen Leben beteiligen sollte. Kennen Sie den Begriff „U-Boot-Christen“? Das sind die Christen, die nur zu den hohen christlichen Feiertagen in der Kirche Auftauchen. Und seien wir ehrlich, mit der Wahl verhält es sich hierzulande ähnlich, wie mit dem Weihnachtsgottesdienst: Viele gehen hin, weil es Tradition ist, und glauben dann damit alles getan zu haben, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt.

Bei den Kommunalwahlen 2015 lag die Wahlbeteiligung bei 40,9 %. Das heißt, selbst wenn alle Wähler die selbe Partei gewählt hätten, so hätten 59,1 % gegen diese Partei gestimmt. Wenn mehr als die Hälfte der Wähler gegen eine Partei sind, und diese dann trotzdem regiert, hat das nichts mehr mit Demokratie zu tun. Nicht zu wählen, ist wie die Aufforderung: „Macht mal, interessiert mich eh nicht!“ Wer das tut, sollte sich aber hinterher nicht beschweren, wenn etwas nicht so läuft, wie er oder sie gerne hätten.

Das Problem ist, dass in Deutschland eine Politikverdrossenheit herrscht, wie sie sonst auf der Welt kaum zu finden ist. Überall gehen Leute auf die Straße um für freie Wahlen zu demonstrieren und sind vielerorts auch bereit für die Freiheit zu sterben. Und in Deutschland? Da schafft es nur eine offen fremdenfeindliche Gruppe wie „Pegida“ regelmäßig ein paar tausend Leute aus ihren bequemen Fernsehsesseln zu reißen.

Ich verstehe die Politikverdrossenheit. Nachdem das Land von der CDU unter Kohl regiert wurde, hoffte die Bevölkerung auf einen sozialen Kurswechsel durch die Rot-Grüne-Schröder-Regierung. Und was kam? Deregulierung der Banken, Abbau des Sozialstaats, Steuererleichterungen für Unternehmen. Erwartung enttäuscht.

Später wird Franz Müntefering mit der Aussage zitiert: „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair.“ (F.A.Z. 11.09.2008) Was soll man denn als Kriterium für eine Wahl heranziehen, als das, was vor der Wahl versprochen wurde?

Die Politikverdrossenheit und das Ohnmachtsgefühl, weil sich ja sowieso nichts ändert, sind verständlich, aber falsch. Es gibt Möglichkeiten der Politik ein deutliches Signal zu senden, ohne sich einer Partei wie der AfD zuzuwenden. Daher hier meine

TOP 5 der Möglichkeiten Politikern die Meinung zu sagen:

Platz 5 – Wahlen

Ja, Wahlen sind eine Möglichkeit. Bei den Landtagswahlen 2016 stehen in Baden-Württemberg insgesamt 22 Parteien zur Wahl.  Einige davon eindeutig rechter als die AfD, aber die ein oder andere Partei sollte dabei sein, die eine wirkliche Alternative darstellt. Bei so viel Auswahl ist die Chance groß, dass da etwas besseres als die AfD dabei ist. Wenn Sie mehr tun wollen, melden Sie sich als Wahlhelfer, damit sie prüfen können, ob die Stimmen richtig ausgezählt wurden.

Platz 4 – Demonstrationen

Ja, auch wenn Pegida und die AfD sich gerne in der Rolle des unterdrückten Opfers fühlen, es gibt in Deutschland immer noch die Meinungsfreiheit. Sie dürfen auf die Straße gehen und ihre Meinung frei äußern, solange sie dabei nicht beleidigend oder hetzerisch auftreten. Gehen sie zu Demonstrationen, vielleicht auch mal eine Demonstration für etwas statt immer nur gegen etwas.

Platz 3 –  Petitionen

Petitionen sind eine super Erfindung. Im Grundgesetz ist beschrieben, dass sich jeder mit einer Bitte direkt an die Volksvertretung wenden kann. Falls es sie wirklich interessiert, finden sie haufenweise Informationen im Netz. Wichtig ist nur: Sie formulieren eine Bitte oder Beschwerde und suchen sich dafür genügend Unterstützer. In Zeiten des Internets geht so etwas heutzutage viel schneller. Sie können natürlich auch gerne von Haus zu Haus laufen um die notwendige Unterstützung zu erhalten. Sobald sie genügend Unterstützer haben, MUSS sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzen.

Platz 2 – Abgeordnete

Behalten Sie eines stets im Hinterkopf: Politiker sind nicht die Herrscher des Volkes, sie sind ihre Angestellten. Und als solche MÜSSEN sie sich um das Wohlergehen des Volkes kümmern. Ihr direkter Ansprechpartner zu diesem Thema ist der gewählte Vertreter ihres Wahlkreises. Deren Job ist es IHRE Meinung zu vertreten. Also nicht Ihre persönliche, aber die der Wählerschaft. Daher treten Sie mit ihrem gewählten Vertreter in Kontakt. Bei Bürgersprechstunden, per E-Mail, Brief, was auch immer.

Da verweise ich an dieser Stelle doch auch mal ganz zufällig auf die Facebook-Seite Aktionsbündnis „Schreib deinem Abgeordneten“, wo ich genau das organisieren möchte.

Platz 1 – Do-it-Yourself

Wenn man etwas vernünftig gemacht haben will, sollte man es selber machen. Daher gibt es natürlich immer die Möglichkeit, seine Wünsche individuell zu formulieren. Wenn es keine Partei gibt, die in allen oder wenigstens genügend Punkten mit der eigenen Meinung übereinstimmt, kann man immer noch selber eine Partei zu gründen und es besser zu machen.

Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten den Parteien die Meinung zu sagen, ohne die AfD zu wählen. Sie müssen sie nur nutzen. Niemand macht sie dafür verantwortlich, dass es Probleme in diesem Land gibt, sie sind nur dafür verantwortlich, wenn sie nicht mithelfen sie zu lösen.

 

 

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